Archiv der Kategorie 'Pressemitteilungen'

Grüne Hochschulgruppe erneut stärkste Fraktion

Grüne Hochschulgruppe erneut stärkste Fraktion – AStA-Engagement bestätigt – BildungsaktivistInnen jubeln

Als im Studierendenhaus nach der Auszählung der Stimmen zur Studierendenparlamentswahl für das Jahr 2010 fest stand, dass die Grüne Hochschulgruppe auch dieses Jahr als stärkste Fraktion das Rennen um die Wählergunst für sich entschieden hatte, war die Erleichterung erst mal groß und einigen Beteiligten förmlich ins Gesicht geschrieben, obwohl schon während der Auszählung immer wieder von verschiedenen Seiten gejubelt wurde, wenn die GHSG mal wieder einen Fachbereich als stärkste Fraktion für sich entschieden hatte.
Unser Dank geht an alle, die von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben, aber natürlich besonders an die, die uns gewählt haben und damit unsere hochschulpolitische Arbeit und unser ehrliches und kritisches Engagement honoriert haben.
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Grüne Hochschulgruppe kritisiert die Räumung des Casinos

Die Grüne Hochschulgruppe Frankfurt am Main zeigt sich enttäuscht, dass das Uni-Präsidium kurzfristig die Räumung des seit Montag besetzten Casinos auf dem IG Farben-Gelände angeordnet hat. „Die Studierenden hatten in den beiden Tagen zuvor, alles unternommen, um die Besetzung weiter als Freiraum für einen alternativen Bildungszugang zu gestalten. Eine weitere Beschädigung des Universitätseigentums haben wir mit allen Mitteln verhindert. Beispielsweise wurden gefährdete Gegenstände wie Bilder wegschlossen und man war im direkten Dialog mit den Universitätspräsidenten.“

Zu der Zerstörung des gemeinschaftlichen Universitätseigentums distanziert
sich die Grüne Hochschulgruppe deutlich: „Diejenigen, die die Besetzung für sinnlose Zerstörung ausgenutzt haben, konterkarieren die Idee von Bildung als Gemeinschaftsgut. Solche Aktionen stehen in keinem bildungspolitischen Kontext und weisen chauvinistische Züge auf. Die große Mehrheit der Beteiligten des Bildungsprotests wird diese auch weiterhin ablehnen und sich dagegen aussprechen. Studierende, Schüler, Lehrende und deren Angehörige gehen aktuell auf die Strasse, um Bildung als gesellschaftliches Eigentum zu erhalten. Sie fordern zudem konkret eine bessere finanzielle Ausstattung der Hochschulen und ein gerechteres, öffentliches Bildungssystem. Diese Anliegen müssen auch weiterhin im Fokus der Debatte bleiben und dürfen nicht durch den Unfug Einzelner aus dem Blickfeld verloren werden.“ erklärt Costantino Gianfrancesco, Sprecher der Grünen Hochschulgruppe.

„Vandalismus bietet den politischen GegnerInnen Schützenhilfe. Diejenigen, die die Universitäten gerne weiter ökonomischen Prinzipien unterwerfen wollen, nutzen solch eine Vorgehensweise als Beweis, dass eine demokratisch organisierte Universität mit einem hohen Grad studentischer Beteiligung im Chaos endet. Dabei wurden bei der Besetzung von der großen Mehrheit der Studierenden eigentlich Freiräume erkämpft, in der alternative Bildungszugänge aufgezeigt wurden. In diesen Freiräumen haben sich viele Studierende und Lehrende beteiligt, um im kritischen Dialog über Bildungspolitik zu diskutieren. Die Räumung hat also viele Studierende betroffen, die Zerstörung von gemeinschaftlichem Eigentum ablehnen.“ unterstützt Christiane Wolkenhauer, Sprecherin der Grünen Hochschulgruppe.

„Besonders hat uns verärgert, dass Uni-Präsident Werner Müller-Esterl noch die beiden AStA-Vorsitzenden der Goethe-Uni zu sich ins Büro gerufen hatte, obwohl von seiner Seite die Entscheidung zur gewaltsamen Räumung des Casinos bereits gefallen und der Polizei sogar schon kommuniziert wurde. Anstatt den konstruktiven Dialog mit den beiden Vorsitzenden der Studierendenschaft der größten hessischen Uni zu suchen, um Lösungswege zu finden, hat er sich für die Räumung entschieden. Bis zu dem Zeitpunkt des Dialogs kannte er noch nicht einmal die Forderungen „seiner“ Studierenden für das beenden der Besetzung. Hunderte Studierende wurden dann heute Abend Zeuge einer von Studierenden friedlich und entschlossen hingenommenen Räumung.

Die bei der anschließenden Demonstration auf Eskalation setzende „Strategie“ der Polizei kritisieren wir scharf. Dass dies in der Kesselung friedlich abziehender Studierender und extra hinzugekommener BeobachterInnen, unter anderem auf ihrem eigenen Campus, endete ist ausschließlich der unüberlegten und absolut nicht nachvollziehbaren Vorgehensweise der Polizeikräfte anzurechnen.

Beim Polizeibericht bemängelt die Grüne Hochschulgruppe: „Dass die Polizei bei der Räumung der Studierenden, die sich allesamt im Festsaal im Erdgeschoss des Gebäudes zu einer Vorlesung versammelt hatten, extra die Vorhänge zuzog, um den als Zeugen hinzugekommen und außerhalb des Gebäudes stehenden Menschen den Blick auf die Aktionen im Inneren zu verwehren wurde im Polizeibericht wohl verschwiegen.
Genau so wie die von etlichen Zeugen bestätigten Übergriffe auf unabhängige JournalistInnen, denen Film- und Fotoaufnahmen trotz Vorzeigens ihres Presseausweises zeitweise nicht gestattet wurden.“

„Das Präsidium hat einen entscheidenden Fehler gemacht. Die Studierenden befanden sich im besetzten Casino noch im Selbstfindungsprozess. Basisdemokratisch organisierte Strukturen brauchen etwas mehr Zeit, um zu einer Entscheidung zu kommen. Das Plenum hatte sich dem Diskurs bereits geöffnet, als die Staatsmacht plötzlich zuschlug. Man hätte den BesetzerInnen einfach nur einen oder zwei Tage mehr Zeit geben sollen und es hätten sich konstruktive Alternativen aufgetan.„
Eine Ironie des Schicksals ist wohl, dass Vizepräsident Manfred Schubert-Zsilavecz der Grünen Hochschulgruppe wenige Tage vor der Räumung bereits eine Zusage für eine Podiumsdiskussion zum HHG und den Protesten zugesagt hat. Die Veranstaltung wird im Januar statt finden. Neben Sarah Sorge von den Grünen und der AStA-Vorsitzenden Nadia Sergan wird auch das Protestplenum zu Wort kommen. Und zwar im Festsaal des Casinos! Also genau da, wo die Studierenden ihre vorerst letzte Bastion hatten, als die Greifer der Polizei anfingen, sie einzeln aus dem Haus zu schleifen.
„Mehr noch als zuvor wollen die Studierenden nun gehört werden. Und sie werden sich zu Wort melden und die Stimmen werden bundes- und europaweit immer mehr und immer lauter. Der Protest wird seine Legitimation auch weiterhin nicht verlieren, bis die Politik beim Bildungsdiskurs endlich umschwenkt und den Betroffenen die Möglichkeit gibt, ihr Studium frei und selbstbestimmt zu organisieren. Der Protest ist notwendig und muss weiter gehen! Wir werden auch weiterhin mit den BildungsaktivistInnen für Solidarität und freie Bildung kämpfen.“, so Costantino Gianfrancesco abschließend.

Heißer hessischer Herbst hat wieder begonnen

Grüne Hochschulgruppe Frankfurt höchst erfreut über Verlauf von Vollversammlung und anschließender Spontan-Demo zur 100-Jahr-Feier an der FH Frankfurt

Dass der hessische Herbst jedes Jahr heißer zu werden scheint ist wohl tatsächlich nicht wegen der globalen Klimaerwärmung, sondern definitiv dem Engagement der immer professioneller werdenden Arbeit der Studierendenvertreter der Frankfurter Hochschulen und natürlich nicht zuletzt den vielen Interessierten und Aktiven zu verdanken.

Etwa 500 bis 600 Studierende waren dem Aufruf gefolgt, sich zu einer Vollversammlung vor dem Studierendenhaus in Bockenheim zu treffen, um Informationen aus erster Hand über Missstände und Irrungen der hessischen Bildungspolitik zu bekommen.
Das neue HHG, das nicht vollständig funktionsfähige Online Seminar-Anmeldungssystem (LSF) und der Ausschluss Studierender von Lehrveranstaltungen waren die Hauptthemen. Doch auch die Besetzung des Audimax der Uni Wien und die anstehende Global Action Week, in deren Verlauf weltweit konzertierte Bildungsprotestaktionen statt finden werden, wurden angesprochen. Gastredner wie Jochen Nagel (GEW) oder auch Studierende anderer Unis wie Heidelberg ließen schnell durchblicken, dass der Protest auf internationaler Ebene gebündelt und organisiert werden muss.
Christiane Wolkenhauer, Sprecherin der Grünen Hochschulgruppe Frankfurt, verweißt auf die anstehenden Protestwochen: „Ob am 17.11. bei der Großdemonstration mit der GEW in Wiesbaden oder bei den bundesweiten Aktionswochen vom 9. bis 18.11. bis hin zur Global Action Week Ende November, wir freuen uns auf kreative und entschlossene Aktionen und hoffen auf Solidarität mit den KämpferInnen für eine freie und demokratische Bildungsbewegung.
Die Grüne Hochschulgruppe Frankfurt am Main begrüßt den berechtigten Protest der Studierenden und wird auch weiterhin alles dafür tun, um sich mit den Studierenden solidarisch zu zeigen.
„Der Protest muss auf allen Ebenen sichtbar sein und wir werden versuchen unseren Anteil zu leisten, um den Studierenden auch in den Parlamenten, von kommunal bis international, mehr Möglichkeiten demokratischer Mitbestimmung zu geben.“, so Costantino Gianfrancesco, Sprecher der Grünen Hochschulgruppe Frankfurt.

Offener Brief an den Präsidenten der Goethe-Universität

Offener Brief an den Präsidenten der Goethe-Universität von Nadia Sergan (AStA-Vorsitzende)

Sehr geehrter Herr Müller-Esterl,

es fällt mir nicht leicht, mich mit diesem Offenen Brief an Sie persönlich, an die Universitätsöffentlichkeit und an die Öffentlichkeit überhaupt zu wenden. Ich habe sehr eingehend über die bisher geführten Gespräche mit Vertretern der Universitätsleitung nachgedacht und mich über den Inhalt des nachfolgenden Briefs mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens beraten.
Zunächst möchte ich Sie nachdrücklich bitten, sich mit der Leitung der TU Darmstadt in Verbindung zu setzen, die aus guten Gründen 2007 drei Schaukästen, die Burschenschaften bzw. studentischen Verbindungen zur Verfügung standen, hat entfernen lassen (siehe Frankfurter Rundschau vom 22. Juli 2009).
Wenn wir als AStA dasselbe von der Leitung der Goethe-Universität verlangen, wird es immer schwerer der Öffentlichkeit zu vermitteln, warum die Frankfurter Universitätsleitung nicht diesen einfachen und leicht gangbaren Weg ebenfalls geht.
Es ist aus unserer Sicht – unabhängig von der Frage, ob Sie die Schaukästen der reaktionären „Vereinigung Akademikerverbände Frankfurt“ weiterhin genehmigen oder nicht – unerlässlich, auf einige inhaltliche Punkte in der Auseinandersetzung – sei es mit Burschenschaften, sei es mit „pflichtschlagenden“ Verbindungen- hinzuweisen.

1.

Es soll zunächst gar nicht die Frage behandelt werden, inwieweit nachweisbar – im Milieu der Burschenschaftler und „schlagenden“ Verbindungen – an der NS-Ideologie orientierte Kräfte wesentlichen Anteil haben oder nicht.
Wir werden diese Tatsachen nicht pauschal bestreiten, sondern werden sie dort, wo sie trotz Verschleierungsbemühungen und Rechfertigungsbemühungen beweisbar sind, aufdecken.

2.

Aber es soll hier zunächst klargestellt werden, dass diese Burschenschaften und Verbindungen massiven Geschichtsrevisionismus betreiben, wenn sie sich auf eine angeblich demokratische Tradition der Burschenschaftler und schlagenden Verbindungen berufen. In Wirklichkeit zeichnet sich ihre Tradition hauptsächlich durch reaktionären Nationalismus, Antisemitismus und Bücherverbrennungen (so schon auf der Wartburgfeier 1815) aus. Die Berufung auf solche Traditionen ist für eine wissenschaftliche Institution eine unerträgliche Provokation.
Es muss möglich sein, mit allem Nachdruck auf Heinrich Heine und seine berechtigte und scharfe Kritik an den damaligen zackigen Burschenschaftlern und Verbindungen zu erinnern.

Heinrich Heine schrieb:

„Fatal ist mir das Lumpenpack, das um die Herzen zu rühren, den Patriotismus trägt zur Schau, mit all seinen Geschwüren.“

Lange vor der NS-Zeit formulierte Heinrich Heine: „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende Menschen“. „Das war ein Vorspiel nur“, schrieb er, als von den Burschenschaften auf der Wartburg Bücher verbrannt wurden. In „Ludwig Börne, eine Denkschrift“ hat Heinrich Heine mit großem Scharfsinn die antihumanistische Grundstimmung dieser gesamten studentisch-reaktionären Bewegung charakterisiert:

„Im Bierkeller zu Göttingen musste ich einst bewundern, mit welcher Gründlichkeit meine altdeutschen Freunde die Proskriptionslisten anfertigten, für den Tag, wo sie zur Herrschaft gelangen würden. Wer nur im siebten Glied von einem Franzosen, Juden oder Slawen abstammte, ward zum Exil verurteilt. Wer nur im Mindesten etwas gegen Jahn oder überhaupt gegen altdeutsche Lächerlichkeit geschrieben hatte, konnte sich auf den Tod gefasst machen.“

Es gehört zum Selbstverständnis des AStA der Goethe-Universität, die immerhin in der Weimarer Republik Institutionen wie das Institut für Sozialforschung hervorgebracht hat, in der Tradition von Heinrich Heine und den wirklichen Demokraten seiner Zeit der anachronistischen Wiederbelebung solcher schon damals durchaus dummen und reaktionären Strömungen entgegenzutreten.

3.

Für die heutige Situation kommt ein weiterer Gesichtspunkt hinzu, der uns erst seit kurzem bekannt ist und der uns tief entsetzt. Im Rahmen einer Veranstaltung der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität mit Ihnen, Herr Präsident, wurde schriftlich bekannt gegeben, dass einer von mehreren Förderpreisen von der „pflichtschlagenden“ Verbindung ALSATIA unter dem merkwürdigen Namen „Burse e.V.“ „zum ersten Mal bei der akademischen Feier der Freunde der Universität“ verliehen wurde.

Wir können uns eigentlich nur vorstellen, dass weder Ihnen noch die Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität Informationen über ALSATIA und des von ihr gegründeten „Burse e.V.“ vorlagen. Es handelt sich hier um eine jener Gruppierungen in Frankfurt, die durch ihr Mensurschlagen im vollen Gegensatz zu all dem stehen, was zumindest wir als AStA unter wissenschaftlich-akademischer Tradition verstehen.

4.

Es wäre für uns völlig unverständlich, wenn Sie nicht wie wir Ekel davor empfänden, dass Studierende organisiert und mit zynisch-dümmlichen Sprüchen garniert mit Hieb- und Stichwaffen im menschlichen Gesicht bewusst Verletzungen herbeiführen und die Gesichter durch Narben zu Fratzen entstellen.
Wer so wenig Respekt vor dem menschlichen Antlitz hat und es als zu trainierende Aufgabe ansieht, die Scheu davor zu überwinden, dieses Antlitz zu zerschneiden, hat gewiss sicherlich erhebliche eigene psychologische Probleme. Aber das ist nicht entscheidend.

Das eigentliche Problem ist, dass hier eine archaische, antihumanistische, zudem auch frauenfeindliche, mit unerträglichem Männlichkeitswahn gepaarte Dummheit zur Schau getragen wird, die gerade das Gegenteil dessen ist, was für Studierende in der Universität vorbildlich sein sollte.

„Sie stelzen noch immer so steif herum, so kerzengerade geschniegelt,
Als hätten sie verschluckt den Stock, womit man sie einst geprügelt.“

„Noch immer das hölzern pedantische Volk, Noch immer ein rechter Winkel
der Bewegung, und im Gesicht Der eingefrorene Dünkel.“

Heinrich Heine: Deutschland, ein Wintermärchen (1844)

Mit freundlichen und besorgten Grüßen

Nadia Sergan

(Oktober 2009)